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Luftig: Schwalben
auf dem Weg nach Russland

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 11. April 2012

Der Auftrag: Nahverkehrszüge von Krefeld nach St. Petersburg in Russland transportieren. Das Problem: Die Züge haben eine andere Spurweite, ein Transport auf der Schiene fällt flach. Seit Februar transportiert DB Schenker, das globale Logistikunternehmen der Deutschen Bahn, die Züge per Lkw und Schiff nach Russland.

“Lastotschka”, Schwalbe, werden die fünfteiligen Desiro Nahverkehrszüge genannt. Geordert hat sie die Russische Eisenbahn RZD, gebaut werden sie von Siemens in Krefeld. Ihr Einsatz: unter anderem bei den Olympischen Winterspiele 2014 in Sotchi. Bis zu 26 Meter lang sind die Wagen, 3,50 Meter breit, bei einem Gewicht zwischen 47,5 und 56,4 Tonnen. Mit 4,85 Meter Höhe sind die Wagen knapp doppelt so hoch wie ein Fußballtor. Außerdem ist ihre Spurweite breiter als in Deutschland: 1.520 statt 1.435 Millimeter.

Dieser Umstand macht einen durchgehenden Transport auf der Schiene ins 2.700 Kilometer entfernte St. Petersburg unmöglich. Eine Herausforderung für die Spezialisten von DB Schenker. Zwei Jahre haben sie überlegt und getüftelt. Und die Lösung gefunden: Sie bauten Paletten aus kurzen Gleisstücken, die durch kreuzende Querträger, sogenannte Traversen, verbunden sind. Die Waggons werden per Kran auf die Paletten gehoben und die Drehgestelle auf den Gleispaletten verzurrt. Durch die Drehung der Paletten können die Wagen in die richtige Position gebracht werden.

Im Siemens-Werk im nordrhein-westfälischen Krefeld werden die Desiro Nahverkehrszüge komplett montiert und per Kran auf Schwerlasttransporter gehoben. Dann geht es zum Rheinhafen Krefeld, wo das ”Überrollen” auf die Gleispaletten erfolgt. Zwei Kräne laden die Wagen in den Bauch eines Binnenschiffs, das im Hafen festgemacht hat. In seinen 78 mal 10 Meter großen Laderaum passen jeweils fünf Wagen, die in festgelegter Reihenfolge eingehoben werden.

Von hier aus geht es nach Amsterdam. Rund 19 Stunden dauert die 220 Kilometer lange Fahrt in die niederländische Hafenstadt, wo die Züge mit dem Kran in ein Seeschiff verladen werden. Etwa 780 Kilometer wird das Schiff mit den “Schwalben” zurückgelegt haben, wenn es den Nordostseekanal passiert hat und am Sea Terminal Sassnitz in Mecklenburg-Vorpommern vor Anker geht.

Hier wechseln die Desiros noch einmal ihr Transportgefährt und werden von den Gleispaletten über eine Rampe auf einen Spezial-Lkw mit integrierter 1.520-Millimeter-Schiene gerollt. Ihr nächstes Ziel: das Terminal Sassnitz-Mukran, nur ein paar Kilometer entfernt, aber der einzige Eisenbahn-Fährhafen Deutschlands mit Breitspurgleisen.

Dort wartet schon die Breitspur-Eisenbahnfähre “MS Petersburg” auf ihre Fracht nach Ust-Luga. Das ist der russische Seehafen, von wo aus die Züge auf eigenen Rädern rollend ins 100 Kilometer entfernte Deport in St. Petersburg-Kolpino gezogen werden.

Rund 20 Tage hat der Transport von Krefeld bis hierher gedauert. Ziel von DB Schenker ist es, bis Juni 2013 insgesamt 190 “Schwalben” durch eine genau geplante Logistikkette sicher und pünktlich an ihren Bestimmungsort zu bringen. Neben den 38 deutschen Zügen werden weitere 16 Desiros in Jekaterinburg produziert, wo Siemens eine neue Fabrik gebaut hat. 

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DB Schenker  



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